Wird Lesekompetenz nur im Unterricht gefördert?
Lara sitzt im Wuselraum und liest. Ich bin erstaunt, wie sie es schafft, dieses Geräusche-Chaos auszublenden, aber sie ist sehr
vertieft.
Ferhat entdeckt im Bücherbaum „das kleine böse Buch“ und leiht es sich für den Moment, setzt sich an den Tisch und fängt an zu lesen. Laya kommt
zu mir und bittet mich für die Wunderkammer, das eine Buch über Hexen mitzubringen, ich weiß genau, welches sie meint und mache mir eine Notiz. Lesende Kinder im SpB. Überall kann man sie entdecken, nicht nur über Bücher gebeugte Kinder, sondern all die genutzten Möglichkeiten, um den Leseerwerb maßgeblich herauszufordern.
Und ganz ohne Druck, ganz nebenbei sind die Möglichkeiten überall wahrzunehmen.
Vier Kinder sitzen auf dem Boden und lesen sich gegenseitig ihre Pokemonkarten vor. Am Tisch nebenan überlegen andere, welche Fähigkeitskarte besser ist, um das Monster aus Tokyo zu vertreiben. Dabei lesen ältere Kinder den jüngeren
vor, aber besonders bei Brettspielen ist die Motivation sehr groß, selbst lesen zu lernen, damit niemand den nächsten Zug weiß.
Wir schauen uns das Whiteboard im Flur an, so viele Wörter und Texte mit wichtigen Informationen. Ich sehe Antonia und Josy, zwei
Erstklässlerinnen, die Buchstabe für Buchstabe versuchen „Bilderbuchkino“ zu lesen. Eine zu große Herausforderung, aber sie wissen sich zu helfen und fragen ein älteres Kind. Sie erarbeiten sich das Wort mithilfe des dazugehörigen
Bildes.
Das Bilderbuchkino ist Teil unserer Ruhezeit und auch hier gibt es immer wieder Kinder, die Geschichten mitlesen. Vorlesen ist seit ein paar
Wochen ein beliebtes Thema und ein paar Kinder haben sogar eine „Geschichten- AG“ gegründet, in der Kinder anderen Kindern vorlesen.
In der Theater AG müssen die Kinder Skripte lesen, um ihre Texte auswendig lernen zu können.
Beim Chor gibt es Liedtexte. Dies hat einige Erstklässler*Innen motiviert, sich selbst zum Leseerwerb anzutreiben, da sie unbedingt im nächsten
Halbjahr dabei sein möchten. Wir schreiben Liedtitel in gängige Musikanbieter und wundern uns, wie englische Wörter geschrieben werden und wie anders sie aber klingen.
Die Wunderkammer ist voller Bücher, die sorgfältig ausgesucht und themenspezifisch die Kinder
einlädt, auch hineinzuschauen.
Kinder aus höheren Klassenstufen sitzen bei Sven und Olli im Büro am Computer und recherchieren zu Themen, die sie interessieren und die sie auf die Homepage stellen wollen.
Lesen, eine Schlüsselkompetenz. Lesen ermöglicht den Zugang zu allen Bildungsbereichen.
Wenn Kinder lesen können, sind sie in der Lage, Informationen selbstständig zu erschließen und sich neues Wissen anzueignen. Lesen fördert insbesondere die kognitiven Fähigkeiten wie
Sprachverständnis, Gedächtnisleistung, Konzentrationsfähigkeit und das abstrakte und kritische Denken.
Für mich ist Lesen die Möglichkeit, sich in fremde, unbekannte, emotionale Welten einzufühlen. Kinder können Erlebnisse und ihr kindliches Weltbild durch die unglaubliche Vielfalt an literarischen
Angeboten ausleben. Lesen fördert die Empathie, die Selbstreflexion, das Wertebewusstsein und natürlich die Fantasie und Kreativität.