Ferienfahrt Husum Tagebuch
Tag 1:
Es ist sehr früh am Südkreuz und wir treffen auf 18 sehr aufgeregte Kinder und ihre Eltern. Die Rollkoffer schieben sich über den Bahnsteig und wir steigen pünktlich in den Zug. Was wir schon wissen, aber die Kinder noch nicht, ist, dass wir sehr oft umsteigen müssen. In Husum angekommen, schauen wir uns und unsere Kinder ganz stolz an, weil die Fahrt zwar anstrengend war, aber alle Kinder großartig mitgemacht haben. Schon jetzt wissen wir, dass wir mit den Kindern alles schaffen können. Unsere Koffer und Basti fahren mit dem Taxi zur Jugendherberge und wir suchen uns einen Weg durch Husum. Eine sehr nette Lily erklärt uns die Regeln und den Ablauf in der Jugendherberge. Die Zimmereinteilung verlief erstaunlich einfach. Die größte Herausforderung an dem Tag war das Betten beziehen. Nur für zwei Jungs gar kein Problem, die haben dann auch anderen Kindern geholfen. Die Jugendherberge hat einen Aufenthaltsraum mit einer Tischtennisplatte und zwei Kickern und ein Außengelände mit Volleyballfeld, einem Tor und versteckten kleinen Waldecken, die wir noch prima nutzen werden. Wir haben für alle Tage einen eigenen Speiseraum. Bevor wir zu Abend essen, besprechen wir noch die Regeln und den Aufenthalt mit den Kindern. Abends spielen wir ein paar Brettspiele, ansonsten bewegen sich die Kinder frei (immer mindestens zu dritt) in der Einrichtung. In der ersten Nacht gab es das erste Heimweh, aber mit Vorlesen und ein paar lieben Worten konnten alle Kinder gut einschlafen.
Tag 2:
Sophie bekommt eine kleine Stadtkarte und wir suchen den Treffpunkt am Deich für die Wattwanderung heute. Der Weg ist weiter als vermutet und die Vorhut ist schon fast fertig mit dem Essen ihres Lunchpaketes als die letzten eintrudeln. Wir haben noch Zeit und Basti zeigt uns die beste Krabbe, die jemals pantomimisch dargestellt wurde. Die Wattführerin ist gerade mal 18 Jahre alt und macht ihr freiwilliges soziales Jahr dort in Husum, wir sind sehr beeindruckt. Von den Kindern auch, die viel mehr wussten als wir vermutet hatten. Im Watt hatte unsere Wattführerin dann allerdings kaum noch die Chance was zu erklären, weil alle Kinder viel zu beschäftigt mit dem matschigen Watt waren. Zwei Kinder schaffen es als Einzige ihre Schuhe anzubehalten, alle anderen versenken ihre Schuhe und müssen barfuß weiter. Ein Teil der Kinder ist so begeistert, dass sie bald voller Schlamm sind, die andere Hälfte krallt sich an uns fest und möchte eigentlich lieber umdrehen. Am Ende schaffen es doch noch ein paar Interessierte sich einen Wattwurm anzuschauen, die anderen duschen sich schon ab. Da die Sonne scheint, bleiben wir zum Trocknen noch ein bisschen dort und auf dem Rückweg laufen wir am Deich lang neben den Schafen, die sich nicht wirklich für uns interessieren. Heute macht Olli das erste Mal Aufnahmen mit den Kindern für den Ferienfahrtspodcast. Das Abendessen schmeckt und danach spielen wir eine abgewandelte Version Werwolf, wo wir tatsächlich in die Rollen schlüpfen und sich die kleine Waldecke sehr gut anbietet für das Spiel. Ein paar Kinder gehen mit uns in die Stadt, um einem Kind noch Geburtstagsgeschenke zu besorgen.
Tag 3:
Der beste Morgen für uns ist heute, weil ein Kind Geburtstag hat und wir sie mit einem Geburtstagslied wecken. Sie weiß noch nicht, dass wir dieses Lied bestimmt 20 Mal spielen, bei jeder Gelegenheit. Voll peinlich findet sie, bekommt dadurch aber sogar eine Packung Süßigkeiten von Kindern einer anderen Schule. Ansonsten haben wir einen vollen Tag. Mit dem Bus fahren wir zum “Multimar Wattforum”, wo die Kinder in Gruppen eingeteilt einen Fragebogen ausfüllen und den Lebensraum Nordsee kennenlernen. Ich finde am tollsten ist der dunkle Raum mit dem riesigen Becken und der Entspannungsmusik, die scheinbar nur wir Erwachsenen entspannend finden, manche Kinder fanden es gruselig. Statt Otter anzuschauen (weil keine da sind), essen wir dann lieber Pommes. Aus dem Museum raus fängt es an zu nieseln, was so schön typisch für die Nordsee ist, dass wir uns eigentlich freuen, dass die Kinder dieses Erlebnis auch machen können. Auf dem Schiff halten wir es vergnügt eine halbe Stunde in dem Nieselregen aus und gehen dann doch irgendwann lieber unter Deck. Wir sehen Robben, das Eider- Sperrwerk, Basti als Boje und kleine Meerestiere, die als Fang an Bord geholt werden und sogar angefasst werden durften. Ein Kind hat sich sogar getraut, den großen Krebs in die Hand zu nehmen. Heute bleiben wir alle lange wach, da wir noch eine Nachtwanderung machen wollen und dafür natürlich auch die Nacht brauchen. Bei der Nachtwanderung haben wir dem Wind gelauscht, im Dunkeln gegessen, ein merkwürdiges Geräusch entdeckt, die Lichter der Windräder beobachtet, einer Geschichte zugehört und die Nordsee gerochen.
Tag 4:
Wir lassen die Kinder 20 Minuten länger schlafen, was ihnen scheinbar trotzdem nicht reicht, da wir von allen Betten aus angeknurrt werden. Beim Frühstück machen sich die Kinder zum Teil fünf Brötchen, eine Erfahrung die sie schon gemacht haben ist nämlich, wenn ich mir nichts zu Essen mache (auch wenn die Erzieher*Innen das voll oft sagen), dann habe ich irgendwann Hunger! Heute gehen wir in die Stadt und schauen uns ein paar Läden an. Die meisten Kinder haben schon am Ankunftstag ihre kompletten 15 € an den Chips-, Schoko- und Getränkeautomaten in der Jugendherberge ausgegeben. Mittags essen wir zusammen Pizza, was so lange dauert, dass wir schnell zurück müssen, da wir noch einen Strandfunde Workshop haben. Dort zeigen die Kinder wieder mal, wie schlau sie sind und was sie schon alles wissen. Am Ende haben wir alle einen Bernstein bekommen, den wir mit verschiedenem Schleifpapier geformt und poliert haben und dann zu einer Kette machen durften. Über die Tage haben die Kinder in Gruppen immer wieder Aufgaben bekommen und sind gegeneinander angetreten. Heute haben sie anhand von Ausschnitten ihrer Gesichter (Augen, Nase oder Mund) erraten müssen, wer dazu passt. Das Werwolfspiel hat dann nicht mehr so gut funktioniert, aber die Kinder haben ein eigenes Spiel entworfen, welches für sie ganz nachvollziehbar war, uns aber bis heute ein Rätsel geblieben ist. Irgendwas mit Michael Jackson als Ball und einem Knäuel aus Kindern. Die letzte Nacht war dann später als erwartet, da der “Unterhosen-Mann” (Ein Familienvater im Raum nebenan) rumgepoltert hat, weil die Kinder ihm zu laut waren. Olli hat die Situation aufgeklärt, aber er wird auf jeden Fall zur ersten Ferienfahrtslegende.
Tag 5:
Heute ist Abreisetag. Aus einem der Mädchenzimmer holen wir noch zwei Säcke Müll und wundern uns, wie man das in vier Tagen schafft. Alle müssen ihre Betten abziehen, Koffer packen und die Zimmer fegen. Wir fahren erst nachmittags und so bleibt noch ein bisschen Zeit. Ich gehe mit ein paar Kindern schon früher los, da manche Kinder noch Andenken für ihre Eltern kaufen wollen. Wir werden auch fündig und so treffen wir glücklich auf den Rest der Gruppe und essen noch ein Eis, da uns die Mama des Geburtstagskindes Geld mitgegeben hat. Die Rückfahrt ist wie schon die Hinfahrt anstrengend, aber absolut machbar und auch hier wieder ein großes Lob an die Kinder, die die Bahnfahrt so gut mitgemacht haben.