01.04.2026: "Ausflug ins Naturkundemuseum"
Heute wird es wissenschaftlich und das, obwohl wir Ferien haben!
Wir gehen mit zwölf Kindern aus tatsächlich jeder Jahrgangsstufe ins Naturkundemuseum, um an einer Führung zu Fossilien teilzunehmen. Keiner von uns war schon mal bei einer Führung dabei, wir wissen nur, wir müssen pünktlich sein.
Zwei Menschen entdecken uns zwischen einer Säule und dem Kopf eines Allosaurus, den wir Herbert oder Olli nennen wollen. Die zwei Museumspädagogen freuen sich, dass es Kinder gibt, die sich auch in der Ferienzeit bilden wollen. Wir freuen uns auch. Dann geht es im Eiltempo einmal durch das Museum. Neben mir höre ich ein „Wow“ und „Krass“ und sehr viele „Iiiih, ist das eklig“. Besonders die eingelegten Tiere scheinen den Ekel auf eine lustvolle Weise auf die höchste Stufe zu stellen. Ich höre Würgegeräusche und kichern. Ein Kind hat einen eingelegten Hammerhai entdeckt, ich staune, da wir inzwischen fast rennen müssen, um den beiden Museumspädagogen folgen zu können. Wir dürfen durch eine Absperrung in einen Raum und ich finde allein deshalb hat sich der Ausflug schon gelohnt. Wann darf man bei einem Museum schon mal hinter die Kulissen schauen? In dem Raum wurden Tabletts mit Gips und Silikon-Formen für uns vorbereitet. Die beiden erklären uns, wie wir eine Masse produzieren, um daraus einen Abdruck eines Fossils herstellen zu können. Als alle eine Joghurtartige Masse im Füllbecher und ihre Form ausgefüllt haben, erklären uns die beiden, was Fossilien sind und was wir uns gleich noch im Museum anschauen werden. Dann bitten sie uns die Tiere, die für die Wissenschaft gestorben sind, zu respektieren und alle „iiih`s“ und alle „wie eklig“ etc. zu unterlassen. Das verstehen die Kinder und alle halten sich daran.
Wir teilen die Kinder in zwei Gruppen, ich begleite die etwas älteren Kinder. Wir rennen wieder zurück zum Anfang des Museums und starten erstmal mit der Frage der Zeit. Seit wann gibt es Leben? Wie sah die Erde damals aus? Was sind schon Millionen von Jahren? „Unvorstellbar“, sagt ein Kind. Die Kinder wissen sehr viel, wie ich feststelle. Warum waren Insekten früher viel größer als heute? „Weil die Luft und der Sauerstoff ganz anders war“, weiß ein Kind. Dann gehen wir zu den Fossilien. Wir schauen uns drei davon genauer an. Ammoniten, Pterodactylus und den heute noch existierenden Pfeilschwanzkrebs. Danach wenden wir uns den großen Fossilien zu, den Dinosauriern. Die Spannweite eines Flugsauriers konnte so groß wie ein Flugzeug werden. Das Naturkundemuseum hat ein vollständiges Skelett eines Brachiosaurus (allerdings sind die Halswirbel und der Kopf im Keller, weil sie viel zu schwer wären) und wir sehen uns eine Ausgrabungsstätte an. Die Knochen werden über die vielen Millionen von Jahren zu Stein und was die Kinder auch wussten ist, dass man Fossilien oft in Bergspitzen findet, da diese früher noch mit Wasser bedeckt waren.
Der spannendste Teil ist natürlich Tristan Otto, der Tyrannosaurus Rex. Eine Leihgabe zweier Brüder, die Tristan und Otto heißen. Die schwarzen Knochen sind so schwarz wegen der Erde, in der er lag, auch das wusste ein Kind, ich bin erstaunt. Tristan ist wahrscheinlich verhungert, weil er eine Zahnentzündung hatte, er tut uns allen sehr leid! Ansonsten war er ein spektakulärer Räuber mit sehr ausgeprägten Geruchssinn. Er hat niemals geschrien, wie es in gängigen Filmen behauptet wird, weil er dann kein guter Jäger gewesen wäre, hätten dann ja alle gewusst wo er ist. Das können alle nachvollziehen. Die Kinder stellen sehr viele kluge Fragen (unter anderem, ob man Dinosaurier gut hätte essen können, wenn der Mensch zur gleichen Zeit gelebt hätte → ja, sie hätten auch gut geschmeckt, wurde uns geantwortet), ich bin sehr stolz. Dann geht es im Eiltempo zurück in den Raum und wir dürfen die Gipsabdrücke aus der Silikonform drücken, einwickeln und mitnehmen. Wir bedanken uns für die tolle Führung und verlassen glücklich und klüger das Naturkundemuseum, um zurück zum Hort zu fahren.
Lena Bökenkröger